18.06.2026Bewegungstraining in Aufrichtung für Kinder mit CP | EACD 2026
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Kann repetitive, gewichtsbelastende Bewegung die Behandlungsergebnisse für Kinder mit Zerebralparese verbessern? Ein klinisches Poster auf der EACD 2026 teilt ermutigende Praxiserkenntnisse zum dynamisch unterstützten Stehen – und was dies für die pädiatrische Neurorehabilitation bedeutet.
Was ist Bewegungstraining in Aufrichtung bei Zerebralparese?
Für Kinder mit Zerebralparese, insbesondere GMFCS Level III-V, ist der Zugang zu sinnvoller Ganzkörperbewegung eine der größten Herausforderungen in der täglichen Rehabilitation. Herkömmliche statische Stehständer bieten eine aufrechte Position – ermöglichen aber keine aktive Bewegung.
Bewegungstraining in Aufrichtung ist anders. Mit motorisierten Hilfsmitteln wie dem Innowalk können Kinder repetitive, reziproke Gehbewegungen in aufrechter, gewichtsbelastender Position erfahren – auch wenn sie nicht selbstständig gehen können. Diese Art der Bewegung soll folgendes fördern:
- Motorische Funktion und passiver Bewegungsumfang (PROM)
- Spastizitätsmanagement
- Darmfunktion
- Teilhabe und Lebensqualität (QoL)
Ein Poster, das von Idoia Gandarias Mendieta von der Pitxuflitos-Neurologischen Rehabilitationsklinik in Bilbao, Spanien, auf der EACD-2026-Konferenz in Galway, Irland, präsentiert wurde, untersucht genau dies – in einem realen pädiatrisch-klinischen Umfeld.
Das Poster kann hier heruntergeladen werden.
Studienübersicht: Durchführbarkeit des Bewegungstraining in Aufrichtung bei pädiatrischer Zerebralparese
Design und Teilnehmende
Diese retrospektive klinische Fallserie bewertete die Durchführbarkeit und funktionellen Ergebnisse der Bewegungstherapie in Aufrichtung bei Kindern mit CP. Die Teilnehmenden umfassten:
- Kinder im Alter von 5–18 years mit CP (GMFCS-Niveaus II–V)
- Ein Kind mit einer hochzervikalen Rückenmarksverletzung (C2/C3)
Intervention: Bewegungstraining in aufrechter Position Innowalk
Alle Teilnehmenden verwendeten den Innowalk, einen robotergestützten Bewegungstrainer, nach folgenden Protokollen:
- Häufigkeit: 2–5 Sitzungen pro Woche
- Sitzungsdauer: 30–60 Minuten
- Gesamtinterventionszeitraum: 2 Wochen bis 6 Monate
- Postoperative Nachsorge in ausgewählten Fällen
Ergebnismaße
Kliniker:innen erfassten eine Reihe von Ergebnissen, darunter:
- Passiver Bewegungsumfang (PROM)
- Spastizität (Modifizierte Ashworth-Skala)
- Darmfunktion
- Zielerreichungsskala (GAS)
- Von der Familie berichtete Lebensqualität
Drei klinische Fälle: Bewegungstraining in Aufrichtung in der Praxis
Fall 1 — Funktioneller Rückgang nach einem Wachstumsschub (GMFCS III)
Ein 15-jähriger Jugendlicher mit CP hatte nach einem Wachstumsschub die selbstständige Mobilität verloren. Nach 5 Sitzungen pro Woche über 2 Wochen im Innowalk umfassten die Ergebnisse:
-
Verbesserte passive Beweglichkeit der unteren Extremitäten
-
Verbesserte Ausdauer
-
Wiederherstellung der selbstständigen Mobilität
Dieser Fall verdeutlicht das Potenzial des intensive bewegugstherapie in Aufrichtung als Frühintervention zur Prävention oder Umkehrung des funktionellen Rückgangs bei gehfähigen Kindern mit CP.
Fall 2 — Postoperative Rehabilitation nach Achillessehnendurchtrennung (GMFCS II)
Ein 6-jähriges Kind begann nach einer Achillessehnendurchtrennung mit dem Innowalk. Mit 2 Sitzungen pro Woche über 6 Monate umfassten die Ergebnisse:
-
Verbesserung des Gangbilds
-
Unterstützte funktionelle Genesung
-
Fortschritt hin zu größerer Selbstständigkeit
Dieser Fall zeigt, wie Bewegungstherapie in Aufrichtung in postoperative Physiotherapiepfade für Kinder mit CP integriert werden kann und eine sichere, kontrollierte Genesung unterstützt.
Fall 3 — Hoher Unterstützungsbedarf: Rückenmarksverletzung (C2/C3)
Ein 10-Jähriger mit einer vollständigen Halswirbelsäulen-Rückenmarksverletzung mit Zwerchfellschrittmacher erhielt 3 Sitzungen pro Woche über 6 Monate. Von der Familie berichtete Ergebnisse umfassten:
-
Zugang zu Ganzkörperbewegung, der sonst nicht möglich wäre
-
Gesteigertes Engagement und Teilhabe
-
Verbessertes Selbstwertgefühl
Dieser Fall ist besonders bedeutsam – er zeigt, dass Bewegungstraining in Aufrichtung nicht auf Kinder mit CP beschränkt ist, sondern jedem Kind mit komplexem motorischen Bedarf und hohem Unterstützungsbedarf zugutekommen kann.
Klinische Implikationen für pädiatrische Physiotherapeut:innen und Rehabilitationsteams
Dieses Poster bietet mehrere wichtige Erkenntnisse für Kliniker:innen in der pädiatrischen Behindertenarbeit und Neurorehabilitation:
- Bewegungstraining in Aufrichtung ermöglicht Therapie, die statische Stehständer nicht bieten können – und bietet repetitiven, gewichtsbelastenden, aufgabenspezifischen Input für Kinder, die nicht selbstständig gehen können.
- Es ist über ein breites Diagnosespektrum hinweg relevant – von gehfähigen Kindern mit CP (GMFCS II–III) mit funktionellem Rückgang bis hin zu nicht-gehfähigen Kindern (GMFCS IV–V) und jenen mit Rückenmarksverletzungen.
- Postoperative Integration ist machbar – Bewegugstherapie im Stehen kann als Teil einer strukturierten postoperativen Rehabilitation eingeführt werden und unterstützt die Wiederherstellung von Funktion und Gang.
- Teilhabe und Wohlbefinden sind wichtig, nicht nur die Körperfunktion – von der Familie berichtete Verbesserungen bei Engagement, Selbstwertgefühl und Lebensqualität sind für sich genommen bedeutsame klinische Ergebnisse.
Einschränkungen und nächste Schritte
Die Autor:innen erkennen wichtige Einschränkungen an: Die kleine Stichprobengröße, das Fehlen einer Kontrollgruppe, die heterogene Population und die Abhängigkeit von klinischen und familiär berichteten Ergebnissen bedeuten, dass diese Erkenntnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind.
Die Schlussfolgerung ist jedoch klar: Bewegungstraining in der aufrechten Position ist bei Kindern mit Zerebralparese und komplexen motorischen Bedürfnissen durchführbar und gut akzeptiert. Weitere randomisierte kontrollierte Studien sind erforderlich, um optimale Dosierung, langfristige funktionelle Ergebnisse und Kosteneffizienz zu ermitteln.
This article is based on a poster presented at the EACD 2026 conference: "Feasibility and Functional Outcomes of Dynamic Standing Therapie in Paediatric Zerebralparese" by Idoia Gandarias Mendieta, Pitxuflitos Neurorehabilitation Clinic, Bilbao, Spain.
Rikke Damkjær Moen bereichert das Made for Movement Team mit vielen Jahren Erfahrung als klinische Physiotherapeutin. Es ist ihre Mission, dafür zu sorgen, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Möglichkeit erhalten, Freude und Gesundheit durch körperliche Aktivität zu erfahren. Als Medical Manager gibt Rikke Damkjær Moen ihr Wissen über die Lösungen von Made vor Movement gern weiter, damit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, ihre Familien und Behandler die Möglichkeiten kennenlernen.
