05.08.2026Reisen mit Querschnitt: Erfahrungen, Barrieren und Möglichkeiten
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Urlaub planen, Freunde besuchen oder spontan unterwegs sein: Nach einer Querschnittverletzung verändern sich oft die Rahmenbedingungen. Bedeutet das automatisch weniger Freiheit? Die Erfahrungen aus unserer Expertenrunde zeigen: Reisen mit Querschnitt und Reisen mit Rollstuhl sind möglich, auch wenn sie meist mehr Planung erfordern.
Freiheit bedeutet, sich die Welt zu erschließen
– Raymond Baafi
Dieser Satz bringt auf den Punkt, was Mobilität für viele Menschen mit Querschnittlähmung bedeutet. Es geht nicht nur darum, von einem Ort zum anderen zu gelangen. Es geht um Selbstbestimmung, Teilhabe und die Möglichkeit, das eigene Leben aktiv zu gestalten.
Mobilität bedeutet Freiheit
Eine Querschnittlähmung verändert vieles. Wege, die früher selbstverständlich waren, müssen neu gedacht werden. Gleichzeitig beschreiben viele Betroffene, dass Mobilität für sie heute einen noch höheren Stellenwert hat als vor ihrem Unfall.
In der Talkrunde berichtet Vera Krumm:
„Dass ich mich einfach nicht davon abhalten lasse, Dinge zu tun, am Wochenende wegzufahren, Urlaub zu planen.“
Diese Haltung zieht sich durch viele Erfahrungen von Menschen mit Querschnitt. Statt sich ausschließlich auf Hindernisse zu konzentrieren, entwickeln sie Strategien, um weiterhin aktiv am Leben teilzunehmen.
Selbstständigkeit bedeutet dabei nicht zwangsläufig, alles alleine machen zu müssen. Vielmehr geht es darum, selbst Entscheidungen treffen zu können und Möglichkeiten zu finden, die eigenen Ziele zu erreichen.
Ist Reisen mit Querschnittlähmung möglich?
Viele Menschen fragen sich nach einer Querschnittverletzung, ob Reisen überhaupt noch möglich ist. Die Antwort lautet: Ja. Allerdings bringen Reisen und Mobilität häufig neue Herausforderungen mit sich. Wer mit einer Querschnittlähmung lebt, kennt die zusätzlichen Anforderungen, die Reisen mit Rollstuhl oder ein Urlaub mit Rollstuhl mit sich bringen können.
Besonders häufig werden Barrieren im öffentlichen Nahverkehr genannt.
Für mich sind die größten Barrieren die öffentlichen Nahverkehrsmittel. Plötzlich sind da 40 Zentimeter Höhenunterschied.
– Lars Weber
Defekte Aufzüge, große Höhenunterschiede zwischen Bahnsteig und Zug oder fehlende Barrierefreiheit können alltägliche Wege erschweren.
Für Menschen ohne körperliche Einschränkung mag das wie ein kleines Hindernis erscheinen. Für Rollstuhlnutzerinnen und Rollstuhlnutzer kann es jedoch darüber entscheiden, ob eine Reise selbstständig möglich ist oder nicht.
Fliegen mit Rollstuhl: Zwischen Freiheit und Improvisation
Auch das Thema Flugreisen wurde in der Talkrunde intensiv diskutiert.
Auf die Frage, ob er seit seiner Verletzung bereits geflogen sei, antwortete Lars Weber:
„Ja. Ich glaube 125 Mal.“
Die Antwort kommt ohne Zögern. Die Zahl überrascht viele Menschen, denn noch immer verbinden viele eine Querschnittlähmung mit Einschränkungen, Verzicht und einem kleineren Radius.
Gleichzeitig berichten die Teilnehmenden aber auch offen über die Herausforderungen, die Flugreisen mit sich bringen können. Gerade beim Fliegen mit Rollstuhl sind Betroffene häufig auf funktionierende Abläufe angewiesen. Rollstühle müssen verladen werden, Transfers organisiert werden und nicht immer läuft alles nach Plan.
„Da muss man, glaube ich, locker drauf sein. Das klappt nicht sehr gut. Manchmal kommt der Rollstuhl nicht da an, wo du ihn haben möchtest.“ erzählt Lars Weber von seinen Erfahrungen.
Gerade diese Ehrlichkeit macht deutlich: Reisen mit Querschnitt ist möglich, erfordert aber häufig Geduld, Flexibilität und Improvisationstalent. Trotzdem lassen sich viele Menschen davon nicht aufhalten. Reisen bleibt ein wichtiger Teil von Lebensqualität, Freiheit und Selbstbestimmung.
Hilfsmittel schaffen Möglichkeiten
Ein entscheidender Faktor für Mobilität und Teilhabe sind geeignete Hilfsmittel.
In der Talkrunde wurde deutlich, wie groß der Unterschied sein kann, wenn Menschen die Unterstützung erhalten, die sie für ihren Alltag benötigen.
„Ich bin einfach unendlich dankbar, dass ich meine Hilfsmittel habe. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich so mobil sein kann.“ berichtet Vera Krumm.
Hilfsmittel schaffen nicht nur Bewegungsmöglichkeiten. Sie ermöglichen soziale Teilhabe, spontane Unternehmungen und die Freiheit, das eigene Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Mehr Barrierefreiheit bedeutet mehr Teilhabe
Die Erfahrungen aus dem Gespräch zeigen, dass die größten Herausforderungen häufig dort entstehen, wo Barrierefreiheit fehlt.
Dass dies viele Menschen betrifft, zeigen auch aktuelle Umfragen:
37 % der Menschen mit Behinderung oder Mobilitätseinschränkungen haben bereits auf eine Reise verzichtet, weil passende barrierefreie Angebote fehlten. Gleichzeitig würden 48 % häufiger verreisen, wenn mehr barrierefreie Angebote verfügbar wären.*¹
Die Wünsche der Teilnehmenden decken sich mit diesen Ergebnissen. Oft sind es nicht die körperlichen Einschränkungen selbst, die Reisen erschweren, sondern fehlende Informationen, defekte Aufzüge oder nicht barrierefreie Verkehrsmittel.
Die Erfahrungen zeigen außerdem, wie wichtig barrierefreies Reisen für Menschen mit Querschnitt und andere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ist.
Mehr Barrierefreiheit würde deshalb nicht nur Reisen erleichtern. Sie würde mehr Menschen ermöglichen, selbstständig unterwegs zu sein, neue Orte zu entdecken und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Mobilität ist mehr als Fortbewegung
Mobilität bei Querschnitt bedeutet für viele Menschen weit mehr als die reine Fortbewegung von einem Ort zum anderen.
Wenn Menschen mit Querschnitt über Mobilität sprechen, sprechen sie selten nur über Wege, Verkehrsmittel oder Technik. Sie sprechen über Freiheit, Selbstständigkeit, Teilhabe, Freundschaften, Reisen und Lebensqualität.
Mobilität bedeutet, Freunde besuchen zu können, einen Urlaub zu planen, neue Orte zu entdecken und Teil des gesellschaftlichen Lebens zu sein.
Oder wie es Vera Krumm formuliert:
„Freiheit bedeutet, sich die Welt zu erschließen.“
Was sich Betroffene für die Zukunft wünschen
Die Gespräche der Talkrunde machen deutlich, dass sich viele Betroffene vor allem eines wünschen: eine Umgebung, in der Mobilität nicht zur täglichen Herausforderung wird.
Funktionierende Aufzüge, barrierefreie Bahnhöfe, zuverlässige Informationen und Verkehrsmittel, die für alle Menschen zugänglich sind, würden für viele Betroffene einen großen Unterschied machen.
Denn Reisen sollte nicht davon abhängen, ob ein Aufzug funktioniert oder ob ein Rollstuhl unbeschädigt am Zielort ankommt.
Die Erfahrungen der Teilnehmenden zeigen, welches Potenzial entsteht, wenn Barrieren abgebaut werden. Denn Mobilität ermöglicht Teilhabe und Teilhabe bedeutet Lebensqualität.
Jens Kleine ist Physiotherapeut und verfügt über langjährige Vertriebserfahrung in verschiedenen europäischen Märkten für orthopädische Hilfsmittel. Besonders wichtig sind ihm die Bedürfnisse der Benutzer, und er setzt sich mit großem Engagement dafür ein, innovative Lösungen zu finden. Als Product Manager bei Made for Movement arbeitet Jens Kleine eng mit externen medizinischen Fachkräften, dem Vertriebsteam und unserem Team für Forschung und Entwicklung zusammen - immer auf der Suche nach Lösungen, die den Menschen Bewegung ermöglichen, die sie am meisten brauchen.