Junger Mann im Innowalk. Ein Physiotherapeut legt ihm den Hüftgurt um.

16.10.2023Innowalk Erfahrungsbericht: Rollstuhlfahrer Moritz testet den Bewegungstrainer

Jens Kleine - Physiotherapeut - Product Specialist

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Innowalk Erfahrungsbericht: Rollstuhlfahrer Moritz testet den Bewegungstrainer
7:55

Moritz Brückner ist Tetraplegiker, Rollstuhlfahrer und Guidzter-Guide – und er hat sich die Zeit genommen, den Innowalk bei uns vor Ort zu testen. Ganz genau. Ganz unverfälscht. Was dabei herauskam, ist mehr als ein Produkttest: Es ist ein Blick darauf, was Bewegung für Menschen mit Querschnittlähmung bedeuten kann.

Guidzter ist eine Plattform von und für Menschen im Rollstuhl. Die sogenannten Guides teilen Alltagserfahrungen, Tipps, Tricks und Produkttests – aus der einzigen Perspektive, die wirklich zählt: der eigenen. Moritz ist einer von ihnen, und sein Weg von zu Hause im Allgäu zu uns war weit. Umso mehr freuen wir uns, dass er ihn auf sich genommen hat.

Das vollständige Interview und Video finden Sie direkt auf der Guidzter-Webseite.

 

Wer ist Moritz Brückner?

Moritz Brückner ist 24 Jahre alt, kommt aus dem Allgäu und sitzt seit einem Surfunfall in Chile vor gut vier Jahren im Rollstuhl. Die Diagnose: Tetraplegie Sub C7 – eine Querschnittlähmung unterhalb des 7. Halswirbels. Seine Beine sind vollständig gelähmt, die Arme kann er beugen und strecken, jedoch ist die Handfunktion eingeschränkt. Brustmuskulatur ist vorhanden, Rücken- und Bauchmuskulatur fehlen.

Was Moritz auszeichnet: Er lässt sich davon nicht aufhalten. Er führt ein sportliches, aktives Leben, teilt seine Erfahrungen auf Guidzter und motiviert andere Menschen in ähnlichen Lebenssituationen – mit einer Offenheit und positiven Lebenseinstellung, die ansteckend ist.

Was ist eine Rückenmarksverletzung (Querschnittlähmung)?

Eine Rückenmarksverletzung – medizinisch als SCI (Spinal Cord Injury) bezeichnet – ist eine Schädigung des Nervenbündels im Rückenmark, das als zentraler Bestandteil des Nervensystems die Signale zwischen Gehirn und Körper überträgt. Im deutschen Sprachraum ist der Begriff Querschnittlähmung geläufiger. Er umfasst sowohl die Paraplegie (Lähmung der Beine und des Rumpfes) als auch die Tetraplegie (Lähmung aller vier Extremitäten), wie bei Moritz.

Ursachen

  • Traumatisch: Unfälle im Straßenverkehr, Stürze, Sportverletzungen – wie bei Moritz ein Surfunfall
  • Nichttraumatisch: Tumore, Infektionen, Entzündungen oder degenerative Erkrankungen

Vollständige vs. unvollständige Querschnittlähmung

  • Vollständig: Unterhalb der Verletzungsebene besteht ein vollständiger Verlust von Empfindung und Motorik
  • Unvollständig: Ein Teil der Empfindungs- und Motorikfunktion unterhalb der Verletzungsebene bleibt erhalten

Bei Moritz liegt eine vollständige Tetraplegie Sub C7 vor – ein Verletzungsmuster, das besondere Anforderungen an Hilfsmittel für Rehabilitation und Alltagsbewegung stellt.

Moritz im Innowalk – der Praxistest

Bevor es losgeht, stellt Moritz unserem Physiotherapeuten und Berater Thomas Schwarze einige Fragen: Für wen ist der Innowalk geeignet? Welche Vorteile bietet er gegenüber einem Stehtrainer? Wie läuft der Transfer ab? Moritz gibt offen zu, dass er seinen Stehtrainer und seinen Bein-Bewegungstrainer zu Hause kaum regelmäßig nutzt – und ist sofort neugierig auf die Kombination aus beidem in einem Gerät.

Beim Transfer in den Innowalk staunt er:

„Der sieht aus wie ein richtiger Crosstrainer!"
– Moritz Brückner, Guidzter-Guide

Einmal positioniert, startet die motorunterstützte Bewegung – zunächst in halbstehender Position. Moritz spürt während des Trainings immer wieder die Spastik in seinen Beinen. Er bleibt ruhig und konzentriert. Die Durchbewegung der Knie und Hüftbeuger tut sichtlich gut.

„Und schon fühlt man sich sportlich!"
– Moritz, kurz nach dem Start der Bewegung

Dann kommt der Moment, der mehr ist als Physiotherapie. Moritz wird bewusst, dass er heute zum ersten Mal seit vier Jahren im Stehen läuft. Eine ungewohnte, aber schöne Bewegung. Und ein völlig neuer Blick auf die Welt – im wahrsten Sinne.

„Jetzt kann ich endlich mal wieder von oben auf die Leute gucken!"
– Moritz, während des Stehtrainings im Innowalk

Auch die Ankündigung, dass bald eine VR-Brille als Zubehör verfügbar sein soll – mit der sich Szenarien wie ein Strand- oder Waldspaziergang simulieren lassen – macht den Innowalk für Moritz noch attraktiver.

Was ist der Innowalk – und für wen ist er geeignet?

Der Innowalk ist ein dynamischer Bewegungstrainer für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit erheblich eingeschränkter Steh- und Gehfähigkeit – entwickelt für Menschen, die selbst keine aktive Schrittbewegung ausführen können. Er kombiniert motorunterstütztes Stehtraining mit geführter Gehbewegung in einem Gerät.

Unterstützte Bewegung
Motorgesteuerte, repetitive Gehbewegung des gesamten Körpers – von der sitzenden Position bis in die Aufrichtung mit Gewichtsbelastung.

Individuelles Stützsystem
Anpassbares Sicherungs- und Stützsystem für eine individuelle Positionierung und außergewöhnlichen Komfort.

Sicher bei Spastik
Die geführte Bewegung wird bei Spastiken automatisch unterbrochen – eine entscheidende Sicherheitsfunktion bei Querschnittlähmung.

Gesundheitliche Vorteile bei Querschnittlähmung und Tetraplegie

Studien und klinische Praxiserfahrungen zeigen, dass regelmäßiges Stehtraining und geführte Gehbewegung bei Menschen mit Rückenmarksverletzungen einen positiven Einfluss haben können auf:

  • Blutkreislauf und Herzgesundheit
  • Atmungsfunktion
  • Verdauung und Darmaktivität
  • Muskeltonus und Spastizitätsmanagement
  • Knochendichte und Gelenkbeweglichkeit
  • Psychisches Wohlbefinden durch Aufrichtung

„Am Ende müsst ihr es selbst ausprobieren! Diese Erfahrung muss man gemacht haben!"
– Moritz Brückner nach dem Test

Wir freuen uns sehr, dass wir Moritz kennenlernen durften – und dass der Innowalk für ihn und alle anderen RollstuhlfahrerInnen so viel Potenzial hat.

Häufig gestellte Fragen zum Innowalk

Für wen ist der Innowalk geeignet?

Der Innowalk ist für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geeignet, die aufgrund einer neurologischen oder neuromuskulären Erkrankung – z.B. Querschnittlähmung, Zerebralparese, Multiple Sklerose oder Schlaganfall – nicht eigenständig stehen oder gehen können. Er setzt keine aktive Muskelkontrolle voraus.

Kann der Innowalk bei Tetraplegie genutzt werden?

Ja. Wie der Erfahrungsbericht von Moritz zeigt, ist der Innowalk auch für Menschen mit Tetraplegie geeignet. Das anpassbare Stützsystem und die automatische Unterbrechung bei Spastiken ermöglichen eine sichere Anwendung – auch bei komplexen Verletzungsbildern wie einer Querschnittlähmung Sub C7.

Was unterscheidet den Innowalk von einem einfachen Stehtrainer?

Ein Stehtrainer positioniert den Körper aufrecht, ohne Bewegung. Der Innowalk kombiniert Stehtraining mit motorgeführter Gehbewegung – das aktiviert zusätzlich den Kreislauf, fördert die Durchblutung, stimuliert Gelenke und Muskeln und ist für viele Nutzerinnen und Nutzer deutlich motivierender in der täglichen Anwendung.

Wie sicher ist der Innowalk bei Spastizität?

Der Innowalk erkennt Spastiken und unterbricht die Bewegung automatisch – eine Sicherheitsfunktion, die besonders bei Querschnittlähmung wichtig ist. Moritz hat genau diese Situation im Praxistest erlebt und konnte ruhig und kontrolliert weitertrainieren.

Wie kommt man an einen Innowalk – und gibt es Kostenübernahme?

Der Innowalk wird über Made for Movement bezogen. Für viele Nutzerinnen und Nutzer ist eine Kostenübernahme durch Krankenkasse oder Pflegeversicherung möglich – insbesondere bei medizinischer Indikation wie Querschnittlähmung oder Zerebralparese. Wir beraten Sie gerne zum Hilfsmittelantrag.

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Jens Kleine - Physiotherapeut - Product Specialist
Jens Kleine - Physiotherapeut - Product Specialist

Jens Kleine ist Physiotherapeut und verfügt über langjährige Vertriebserfahrung in verschiedenen europäischen Märkten für orthopädische Hilfsmittel. Besonders wichtig sind ihm die Bedürfnisse der Benutzer, und er setzt sich mit großem Engagement dafür ein, innovative Lösungen zu finden. Als Product Manager bei Made for Movement arbeitet Jens Kleine eng mit externen medizinischen Fachkräften, dem Vertriebsteam und unserem Team für Forschung und Entwicklung zusammen - immer auf der Suche nach Lösungen, die den Menschen Bewegung ermöglichen, die sie am meisten brauchen.