20.02.2026Was ist das GMFCS und wofür wird es verwendet?
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Das Gross Motor Function Classification System (GMFCS) für Kinder mit Cerebralparese (CP) ist ein weit verbreitetes Instrument, das medizinischem Fachpersonal hilft, die typische Mobilität eines Kindes im Alltag zu beschreiben – wie es sitzt, steht, geht, ob es Mobilitätshilfen nutzt. Das GMFCS bildet ab, was ein Kind im täglichen Leben üblicherweise tut.
In diesem Artikel erfahren Sie:
- Was ist das GMFCS?
- Was bedeuten die GMFCS-Stufen (I–V)?
- Welche Rolle spielt das Alter im GMFCS?
- Wer legt die GMFCS-Stufe meines Kindes fest?
- Kann sich eine GMFCS-Stufe im Laufe der Zeit verändern?
- Warum wird das GMFCS verwendet?
- Ist GMFCS dasselbe wie GMFM?
- Bedeutet eine höhere GMFCS-Stufe, dass eine Therapie nicht hilft?
Was ist das GMFCS?
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Sitzen
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Stehen
-
Gehen
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Nutzung von Mobilitätshilfen (falls erforderlich)
Das GMFCS wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Diese Versionen finden Sie hier.
Was bedeuten die GMFCS-Stufen (I-V)?
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GMFCS Stufe I – Geht ohne Einschränkungen
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GMFCS Stufe II – Geht mit gewissen Einschränkungen (z. B. Schwierigkeiten bei langen Strecken oder unebenem Untergrund)
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GMFCS Stufe III – Geht mit Gehhilfe, Krücken oder einem ähnlichen Hilfsmittel
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GMFCS Stufe IV – Stark eingeschränkte selbstständige Fortbewegung; nutzt häufig elektrische Mobilität
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GMFCS Stufe V – Sehr eingeschränkte willkürliche Bewegung; ist auf Unterstützung durch Betreuungspersonen und Rollstuhl angewiesen

Welche Rolle spielt das Alter im GMFCS?
- unter 2 Jahre
- 2–4 Jahre
- 4–6 Jahre
- 6–12 Jahre
- 12–18 Jahre
Wer legt die GMFCS- Stufe meines Kindes fest?
Es gibt einen speziell für Familien entwickelten Fragebogen, den GMFCS Family and Self-Report Questionnaire. Er ist in mehreren Sprachen verfügbar - leider derzeit noch nicht in deutsch - und über CanChild zugänglich. Der Fragebogen existiert für vier Altersgruppen:
- 2–4 Jahre
- 4–6 Jahre
- 6–12 Jahre
- 12–18 Jahre
Studien zeigen, dass Eltern mit diesem Fragebogen die GMFCS-Stufe ihres Kindes häufig sehr genau einschätzen. Deshalb ist die Einbeziehung der Eltern für Fachpersonen äußerst wertvoll, um ein möglichst realistisches und vollständiges Bild der motorischen Fähigkeiten eines Kindes zu erhalten.
Kann sich eine GMFCS-Stufe im Laufe der Zeit verändern?
Die GMFCS-Stufen gelten ab dem Alter von 2 Jahren als relativ stabil. Bei den meisten Kindern (72–84 %) bleibt die Stufe unverändert. Ein Wechsel ist jedoch möglich und tritt am häufigsten im Alter zwischen 2 und 4 Jahren auf.
Warum wird das GMFCS verwendet?
Ein Hauptgrund ist, dass es eine klare und verlässliche Beschreibung der Alltagsmobilität eines Kindes liefert. Außerdem hilft es, eine allgemeine Vorstellung davon zu bekommen, wie sich motorische Fähigkeiten im Laufe des Wachstums entwickeln könnten.
Da die fünf Stufen klar definiert und gut unterscheidbar sind, wird das System häufig zur Planung und Entscheidungsfindung eingesetzt. Es unterstützt Fachpersonen dabei:
- Therapie- und Interventionsziele zu planen
- den Unterstützungsbedarf in Schule und Alltag einzuschätzen
- zu prüfen, ob Hilfsmittel wie Krücken, Gehtrainer, Rollatoren oder Rollstühle aktuell oder zukünftig sinnvoll sein könnten
Auch in der Forschung wird das GMFCS genutzt. Es hilft dabei, Kindergruppen präzise zu beschreiben und die große Bandbreite motorischer Fähigkeiten bei Cerebralparese zu verstehen. Selbst Kinder mit derselben Diagnose können sehr unterschiedliche körperliche Fähigkeiten haben – das GMFCS bietet eine klare Sprache, um diese Unterschiede zu benennen.
Ist GMFCS dasselbe wie GMFM?
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GMFCS = Klassifikation (welche Stufe beschreibt die Alltagsmobilität am besten?)
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GMFM (Gross Motor Function Measure) = Test zur Messung von Veränderungen motorischer Fähigkeiten über die Zeit
- GMFCS beantwortet: „Welche Stufe passt am besten?“
- GMFM beantwortet: „Welche Fähigkeiten verändern sich?“
Bedeutet eine höhere GMFCS-Stufe, dass eine Therapie nicht hilft?
Eine Therapie kann wie folgt helfen:
- Wohlbefinden – Schmerzen reduzieren, Steifheit vorbeugen, gesunde Positionierung unterstützen
- Teilhabe – Teilnahme an Aktivitäten zu Hause, in der Schule und im sozialen Umfeld erleichtern
- Selbstständigkeit – Ihr Kind dabei unterstützen, möglichst viel eigenständig zu tun
- Energieeffizienz – Bewegungen weniger anstrengend machen
- Zugang zu Spiel, Schule und sozialem Leben – passende Hilfsmittel und Strategien finden, damit Ihr Kind mit Gleichaltrigen agieren kann
-
länger bequem sitzen können
-
einen elektrischen Rollstuhl selbstständig nutzen
-
mehr Ausdauer im Schulalltag haben
-
freudvoll und einbezogen spielen können
Am wichtigsten ist: Eine Therapie soll Ihr Kind nicht verändern – sie soll ihm helfen, sein Leben so vollständig und angenehm wie möglich zu leben.
Rikke Damkjær Moen bereichert das Made for Movement Team mit vielen Jahren Erfahrung als klinische Physiotherapeutin. Es ist ihre Mission, dafür zu sorgen, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Möglichkeit erhalten, Freude und Gesundheit durch körperliche Aktivität zu erfahren. Als Medical Manager gibt Rikke Damkjær Moen ihr Wissen über die Lösungen von Made vor Movement gern weiter, damit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, ihre Familien und Behandler die Möglichkeiten kennenlernen.